Reparieren statt Austauschen

Sept. 2009

Reparieren statt Austauschen……die „Grüne“ Technik.

Artikel erschienen in der Saarbrücker Zeitung vom 26/27.09.2009

Experten haben die Kosten für Reparaturen und den Austausch beschädigter Teile am Auto im Detail verglichen Reparieren statt Austauschen spart nach einem Autounfall nicht nur Geld, sondern mindert auch die Umweltbelastung. Das sagt eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie im Auftrag der Allianz-Versicherung. Von Merkur-Mitarbeiter

Stefan Woltereck

München. Nach Unfällen werden die beschädigten Teile am Auto oft nicht mehr repariert, sondern ausgetauscht. Das geht einfacher und schneller. Und lässt die Kasse klingeln. Je größer eine Werkstatt ist, desto mehr neigt sie dazu, mit möglichst vielen Neuteilen den Umsatz zu steigern.

Unnötige Neuteile belasten aber nicht nur den Kunden, sondern auch die Umwelt. Die Allianz-Versicherung ließ erstmals untersuchen, in welchem Ausmaß handwerkliche Reparaturen ökologisch sinnvoller sind als Neuteile. In Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wurden häufige Karosserieschäden verglichen. Wird beispielsweise bei einem Schaden die Seitenwand ausgebeult, so vermindert dies den CO&-2;-Ausstoß gegenüber dem Einschweißen eines Neuteils um 60 Prozent. Bei einem Kratzer in der Stoßstange vermeidet das Instandsetzen statt Austauschen sogar 72 Prozent. Beim sogenannten Spotlackieren eines kleinen Schadens fallen 44 Prozent weniger Kohlendioxid an als bei der üblichen Ganzlackierung zum Beispiel eines Kotflügels.

Verglichen wurden in akribischer Rechnerei zum einen der Aufwand für die Herstellung eines Neuteils vom Material über die Verarbeitung bis zum Einbau, dazu der Ausbau und die Entsorgung des Altteils, zum anderen die Reparatur. Jeweils mit berücksichtigt wurden die Lackierung und die Hilfsmaterialien, etwa Schleif- und Spachtelmasse. Als Modell diente ein VW Golf 5. Bei anderen Modellen werden die Ergebnisse indes nicht viel anders aussehen.

Bedenken, dass Ausbeulen und Kunststoff-Reparaturen nicht fachgerecht sind, stimmen nicht. Im Gegenteil, die Autohersteller empfehlen längst sanfte Reparaturmethoden. Etwa Ford: „Um den Karosserieverbund zu erhalten, ist das Instandsetzen von Karosserieteilen dem Erneuern vorzuziehen.“ Oder Mercedes-Benz: „Das Instandsetzen sollte für die Reparatur immer als erste Wahl betrachtet werden, weil dabei die im Werk erzielte Festigkeit, Maßhaltigkeit, Korrosionsbeständigkeit am wenigsten beeinflusst werden.“ Natürlich ist Ausbeulen nicht immer möglich; je größer die Verformung, desto weniger. Doch bei 3,5 Millionen Blechschäden pro Jahr in Deutschland, so die Allianz-Versicherung, könnten „grüne“ Reparaturen zumindest mit zum Einsatz kommen. Sie könnten allein in Deutschland 570 000 Tonnen CO&-2; sparen, den Ausstoß von 200 000 Personenwagen. Die Versicherung beklagt, dass die Werkstätten neuartige Instandsetzungen vor allem bei Kunststoff viel zu wenig einsetzen. Der Grund hierfür ist klar: Sie bringen weniger Umsatz. Das Erneuern einer hinteren Seitenwand am Golf kostet nach Allianz-Angabe über 1500 Euro, das Ausbeulen keine 700. Ein neuer Stoßfänger schlägt mit gut 500 Euro zu Buche, die Reparatur mit weniger als 400. Spotlackierung kleiner Schäden ist viel billiger als das Lackieren ganzer Teile.

Kein Wunder, dass die Versicherungen solche Reparaturmethoden propagieren. Zumindest die Kaskoprämien könnten sie mit ihnen beeinflussen. Niedrige Prämien sind ein Werbeargument ersten Ranges. Dass sanfte Reparaturen zusätzlich „grün“ sind, kommt ihnen gerade recht.

Viele Autofahrer wollen Bagatellschäden aus eigener Tasche bezahlen, weil sie unterhalb der Selbstbeteiligung liegen und weil sie ihren Rabatt retten wollen. Für sie ist es gut zu wissen, dass es sanfte Reparaturmethoden gibt. Vor allem kleine Reparaturbetriebe sind ihnen gegenüber aufgeschlossen, ganz besonders im ländlichen Raum.